Der Patriot, Lippstadt 04.05.2013

Zeitung aus Lippstadt

Vollkommen entspannt

Hotz & Co. servierten “Swingin´ Stories”

von Marion Heier

LIPPSTADT – Entspannt, entspannter, am entspanntesten: Dieser Superlativ trifft wohl am ehesten die Stimmung, die am Donnerstagabend beim Konzert des Jazzclubs in der Lippstädter Musikkneipe Werkstatt herrscht. Wenngleich sich diesmal ein eher überschaubares Publikum einfindet, so sind die Künstler natürlich Profis genug, mächtig Applaus für sich einzufahren. Und so schieben sich die drei Musiker von Hotz & Co. den geernteten Beifall tatsächlich gegenseitig mit Handbewegungen zu.

Humor macht sich immer gut, und es nimmt sich umso besser aus, wenn man ihn auch in der Musik spürt. Norbert Hotz (Kontrabass), Rainer Lipski (Klavier) und Dirk Ferdinand (Schlagzeug) entführen das Publikum mit ihren “Swingin´Stories” wie sie sagen, in die locker und leicht klingende Welt des Ragtime und des Swing.

Klassiker neu arrangiert

Dabei begeistert dieser wippende Charme. Ständig tippt man mit dem Fuß, es ist so herrlich rhythmisch, weil die drei die typische Betonung des Swing auf der zweiten und vierten Note so eingängig und fließend herausarbeiten. Das Trio spielt Jazz-Klassiker von Duke Ellington, Ray Charles, Charlie Parker und Louis Armstrong, aber so pfiffig arrangiert, dass es sich manchmal wie ein Ratespiel ausnimmt und man angesichts der Melodie nach dem Titel sucht.

Zum Glück spannt Rainer Hotz die Zuhörer nicht auf die Folter. Er und seine Compagnions setzen ganz auf die Vermittlung des Swing in minimalistischer Reinkultur. Es gibt kein Mikro, keinen Verstärker, nur drei Instrumente und drei Musiker. Ihre Musik spricht eine eindeutige Sprache, ihr Spiel ist sauber und klar, aber auch raffiniert und akzentuiert.

Rainer Lipski ist der “Melody Maker”. Er verleiht mit seinem gepflegtem Klavierspiel Titeln wie “In a sentimental Mood” oder “Shadows Of Your Smile” eine verspielte Note. Norbert Hotz gibt der Musik ihren Charakter, sein fingerfertiges Spiel auf den Saiten ist souverän und treibend. Dirk Ferdinand drückt mit seinem rudimentär eingerichteten Schlagzeug das aus, was Hotz & Co. sind: Man braucht nicht viel, um gut zu sein. Seine Basstrommel ist ein mit LED-Lichtern verziertes Tamburin, ein Snaer, ein Becken, ein Hi-Hat – das reicht. Darauf begleitet er mit Besen und Stöcken in sehr facettenreichem, leisen Spiel.

Das Trio beweist ein aufmerksames Zusammenspiel, das sich mühelos durch die unterschiedlichen Stile und Formen bewegt. Mal ist es der Blues, mal eine Rumba, mal eine Ballade, mit der sie verzaubern und entspannen. Es ist ja auch schon ungewöhnlich, wenn der zweite Set länger dauert als das erste und der Bassist selber dem Publikum die Frage nahe legt: ” Ja, wann hören die denn mal auf?” Na ja, es hätte eben einfach so weitergehen können.  rio

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.